“You´re not a petrol-head until you´ve owned an Alfa Romeo!”

Wenn Jeremy Clarkson das sagt, muss was dran sein. Keiner meiner Freunde hatte einen Alfa, ich bin auch nicht auf der Rückbank eines Alfas aufgewachsen…ehrlich gesagt war ich bisher noch nichtmal bewusst in einem Alfa mitgefahren. Die einzige Erinnerung an die Marke war ein ehemaliger Nachbar, dessen 147 seinen Endtopf vor meinen Augen verlor. Er war Italiener- klar: der einzige Grund so ein Auto zu fahren.

Jahre später hat mich ein Freund dann angefixt. Mit einem GTV6. In “rosso alfa”. Die Kiste ging nicht nur richtig gut, sondern lieferte dabei eine so unglaubliche Geräuschkulisse, dass ich nicht glauben konnte dass das der Serienauspuff war. Am Tag drauf googelte ich stundenlang “Alfa GTV” und entdeckte schließlich den “Bertone” aka Giulia Sprint bzw. GT Veloce oder auch GTV. Das Design und insbesondere die Technik faszinierte mich sofort: zwei Nockenwellen, Voll-Alu, Doppelweber. 5-Gang, Scheibenbremsen rundum…und das 1964- da lebten die deutschen Autohersteller noch in Höhlen!

Die nächsten Monate verbrachte ich viel Zeit auf Mobile.de, und fand entweder absolute Grotten oder Autos zu Mondpreisen. Oft auch beides zusammen. Bei Besichtigungen lernte ich dann zum ersten Mal was Rost ist: Autos ohne Türböden, abplatzende Spachtelschichten über Hasendraht-Nachbildungen der Kotflügel…”Feuerstein”-Bodenbleche (aber hauptsache der Teppich drüber ist neu!), Löcher anstelle von Reserveradmulden und die absurdesten Schweller-Konstruktionen. Als ich fast keine Lust mehr hatte fand ich einen hollandblauen 74er 2ltr. GTV auf dem Hinterhof einer Alfa-Werkstatt. Reparierter Unfallschaden, ungepflegt, innen beige, 80 tkm (oder 180, oder 280…)…nee, danke. Monate (und einige besichtigte Grotten) später stand ich wieder auf dem Hinterhof. Probefahrt, Hebebühne…kaum Rost, ordentliche Technik und ein fairer Preis führten dann schließlich zum Kauf. Nach einem großen Service wurden zuerstmal die Stoßstangen abgebaut. Es folgte der Endtopf und die originalen Stahlfelgen die gegen GTA-Repliken getauscht wurden. Die typischen pseudo-quadrifoglio-verde Modifikationen halt…imerhin hab ich mir den Kleeblatt-Aufkleber verkniffen- den hatte der GTV sich noch nicht verdient.

Der GTV wurde im Sommer dann wochenlang als daily-driver genutzt und hat mich nicht einmal im Stich gelassen! Okay, wenn man schneller als 150 fährt wird man taub, bei Regen wird man nass (ob das Fenster offen oder geschlossen ist spielt dabei fast keine Rolle). Das apaptive Kurvenlicht (in Kurven ging das Licht aus) war…ähem…gewöhnungsbedürftig konnte aber mit einem neuen Lichtschalter behoben werden. Der Tankstutzen war undicht, weshalb man anhand meines Geruchs immer sofort wusste mit welchem Auto ich da war (“irgendwas riecht hier nach Benzin…”). Achja…der Tacho geht ca. 15 km/h nach. Das sorgte anfangs für viel Verwunderung und schwarz-weiss Fotos. Alles Kleinigkeiten die nach und nach behoben wurden. Auch das marode Fahrwerk wurde überarbeitet…Federn, Dämpfer, Fahrwerksgummis wurden getauscht, und danach konnte man erst das volle Potenzial des GTVs ausloten. Kurven die davor irgendwie “auf der Türklinke” gingen, ließen sich jetzt endlich sauber und mit weniger Beifahrergeschrei fahren. Mittlerweile war ich fast schon alfa-süchtig. Die Kombination aus tollem Fahrwerk, niedrigem Gewicht und kräftigem Motor ist wirklich genial…und dann noch der Sound!!

Allerdings fing der Motor jetzt langsam an die Hufe hochzunehmen…Ölverbrauch jenseits von gut und böse, kettenrasseln wie ein Schlossgespenst. Wegen der Ölfahne hätte ich mich sogar fast mal mit einem hinterherfahrenden Cabriofahrer geprügelt. Vermutlich hatte er auch schon 180.000km auf der Uhr- ohne nenneswerte Überholung. Und auch die Leistung ließ langsam zu wünschen übrig- die angegebenen 131 PS waren wohl schon immer mehr Alfa-Wunschtraum als Realität, aber hier ging wirklich nicht mehr besonders viel. Zumal es oberhalb von 5000 U/min auch arg zäh wurde.

Den Gnadenschuss bekam das Triebwerk auf dem Hockenheimring im Rahmen des “Akademischen” Anfang November- weil der 3. Gang zu kurz und der 4. zu lang war, wurde einfach konsequent immer im 3. bis sechsfünf gedreht…den anderen Teilnehmern machte ich das Leben dann mit taktisch klug gesetzten Ölnebelwolken schwer! Der Motor überlebte zwar, startete aber nur noch unwillig. Zeit für eine Überholung…und etwas mehr Leistung!

 

=> Fortsetzung folgt!

Fotos by Tanja Ganzer: tanjaganzer.com

 

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